Halsprofil digital

Das Querprofil

Das Querprofil eines hochwertigeren Gitarrenhalses, auch wenn es maschinell vorbearbeitet wurde, erhält seine definitive Form erst durch menschliche Handarbeit. Selten sind zwei Hälse völlig gleich und jedes einzelne Instrument fühlt sich unterschiedlich an. Unser Tastsinn (haptische Wahrnehmung) untersucht den Hals wie eine Lupe und berichtet gleich über jede kleine Delle, Welle, Riss, Lackschaden, Grat etc.

Um eine Antwort auf die Frage "Wieviel unterschiedliche Halsprofile gibt es eigentlich?" zu geben, müssen wir eine vernünftige Grenze für die Genauigkeit ziehen. Mein Vorschlag wäre, alle Unterschiede, die man mit 13 Messpunkten in 15° Schritten noch gut erfassen kann, mit einem Standard-Profil zu vergleichen. Ein solcher Standard gibt es natürlich noch nicht und muss erst aus vielen erfassten Profilen ausgewählt werden. Die Sache ist noch weiter durch unterschiedliche Halsbreiten kompliziert, die eine nachträgliche Skalierung auf Standardbreite verlangt.

Für wen sollte so eine Datensammlerei nützlich sein?
Versetzen wir uns in die Zukunft.

....  Es wurden schon über 300 Gitarrenhälse vermessen, ihre Querprofile (erste, siebte und zwölfte Bundposition) in einer Datenbank gespeichert. Das entspricht etwa 1000 Bilder in digitaler Form. Daraus sind schon 20 Gruppen mit ähnlichem Konturenverlauf definiert und treffend benannt. Die Werbung in Musikläden, Onlineshops oder Gitarrentests brauchen nur eine dieser Profilgruppen zu nennen...

Aber zurück zur Gegenwart:

Die Zuordnung der Profil-Typen zu konkreten Instrumenten, bzw. ihren Typen, Herstellern, Musikern, Stil oder Zeitepochen ist zwar sehr interessante Geschichte, aber hier geht es um die einfache geometrische Sichtweise und Konstruktionsmöglichkeiten.

Als Hilfsmittel brauchen wir eine präzise Abtastvorrichtung, die die Messwerte im Polarkoordinaten-Raster schnell und genau liefert. Bevor ich nach einem digitalen, lasergesteuerten u.ä. Gerätchen suchen sollte, habe ich mir einen "analogen" Prototypen angefertigt:

 

 

Die Halsprofil-Abtastung ermöglichen 13 leicht verschiebbare vierkantige Bambus-Nadeln in einer Führungsplatte mit Arretierschrauben. Das Ganze wird auf den Hals mit einer Klemmzange angesetzt und die mittlere Nadel (90°) auf die Mitte des Hals-Profils ausgerichtet. Dann werden die beiden äußere Nadeln (0° und 180°) auf die Griffbrettkanten ausgerichtet, wobei die mittlere Nadel auch wieder nach Bedarf eine Nachstellung braucht. Anschließend werden alle restlichen Nadeln an das Hals angeschoben und arretiert. Die Vorrichtung wird vorsichtig abgenommen und ist zur Ablesung der Profil-Koordinaten bereit.

 

Die Matrix

Jetzt brauchen wir eine in Polarkoordinaten gezeichnete Matrix mit 13 einzelnen in Millimeter geteilten Skalen. Auf diese Matrix legen wir die Vorrichtung so darauf, dass die 180°, 90° und 0° Nadeln zum Mittelpunkt zeigen.

Die Polar-Matrix

Die Ablesung

Zur Ablesung der Koordinatenwerte ist eine gute Lupe notwendig, damit die Genauigkeit bis auf einige Zehntel-Millimeter erreicht werden könnte.

Natürlich kann man auch immer die Nadelpositionen direkt auf Karton oder geeignetes Schablonenmaterial abzeichnen und daraus, mit hilfe von Kurvenlineal eine feste Profilschablone anfertigen.

So geht's auch

Mit einer einstellbaren Lamellen-Profilschablone abgenommen ...

 

und auf die Matrix übertragen, ist es auch schnell erledigt. Und nur im Bereich der Griffbrettkanten ist die Genauigkeit leicht benachteiligt:

Die Zahlensammlung

Um in der wachsenden Zahlenmenge die Übersicht nicht zu verlieren, ist an der Zeit eine Datenbank einzurichten. Ob einfach in Excel oder großzügiger mit Acces eingerichtet, richtet sich danach, was man später aus der Zahlen herauquetschen möchte.

update: 20.04.2009