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Die Proportionen

Auf die Frage, welche E-Gitarren-Form die schönste und die beste ist, gibt es keine klare Antwort. Man kann aber aus der Menge von Korpusformen ziemlich eindeutige Typen von den Schönen, Unauffälligen, über Langweiligen, zu den Schrägen bis Hässlichen zuordnen. Dann müsste doch auch möglich sein, mithilfe der Statistik, eine zeitlose Mittelwert-Form festzusetzen. Nach welchen Kriterien sollte man die Formen bewerten? Bleiben wir zuerst nur bei den äußeren Korpuskonturen.

Gitarrendesigner Sebastian Heck hat z.B. für die schnelle Erfassung der Korpus-Proportionen vier Maßangaben vorgeschlagen: Länge "L", die Breite "B", die Taillenbreite "T" und die Schulterbreite "S".

Für die optische Bewertung ist dies sehr hilfreich. Der Musiker jedoch, nimmt sein Instrument sehr stark "haptisch", mit dem Tastsinn, wahr (akustisch natürlich auch). Und da brauchen wir mehr detailierte Messpositionen zu erfassen, um die Bespielbarkeit und ergonomische Eigenschaften der Gitarre zu erfassen.

Aus welcher Perspektive sollten wir die Formen einer E-Gitarre am besten betrachten? Von der Kopf-Platte, vom Hals oder vom Korpus her ausgehend? Fangen wir mit den Händen an, die das Instrument beherrschen. Die linke Hand (eines Rechtshänders) am Gitarrenhals ist zwar nicht weniger wichtig, aber "das letzte Wort" hat stets die rechte Hand. Meistens lässt sie durch Zupfen den von der Linken gewählten Ton erklingen und wenn die linke Hand selbständig "hammert oder pull-offt", herrscht die Rechte doch immer allein über Tremolo, Potis und andere Hebel. Damit ist auch der Bereich nahe am Steg als Steuerzentrum anzuerkennen. Demzufolge ist die Kreuzung der Mittellinie mit der Mensurlinie - der NULLPUNKT - am Steg eine bessere Wahl, als der NULLBUND am Sattel. Das ist auch für die Beschreibung der Korpuskonturen allein (ohne Hals) unbestritten.

Der Korpus im Raster

Es gibt einige Korpusformen, die fast kein Symmetrie-Merkmal besitzen, aber trotzdem ist sinnvoll, die Mittellinie immer als Hauptachse der Gitarre festzusetzen. Das Proportionsschema L-B-T-S (Länge-Breite-Taile-Schulter) sollte, um die Asymmetrie genau zu erfassen, getrennt auf obere und untere Hälfte, bzw. auf vier kartesische Quadranten, erweitert werden. Damit wird jedes Detail und seine Position genau definierbar.

Für die schnelle Orientierung lassen sich die vier Quadranten ähnlich wie in der Erdkunde, nach den Himmelsrichtungen bezeichnen.

Dann sehen wir z.B., dass im Nordwesten - NW - sehr wenig Aktion stattfindet, SW bekommt später die Potis und das Elektrofach, und im Osten - NE/SE die Konturen der Cutaways für die Ergonomie entscheidend sind. Beim Entwurf neuen Formen kann man sich für die einzelne Quadranten zuerst verschiedene Varianten vorbereiten und dan ihre Kombinationen ausprobieren.

Die Meilensteine

Um eine E-Gitarre genau nachzubauen, bräuchte man eine Unmenge Informationen, die man größtenteils aus den technischen Zeichnungen herauslesen müsste, und der Rest sind mehr oder weniger bekannte Erfahrungen der Hersteller. Ein Gitarrenbau-Amateur steht am Anfang immer vor der Entscheidung, wieviel diesen gesamten Informationen ausreichen, um eine individuell geplante Gitarre erfolgreich zu bauen. Ein kreativer Kopf strebt an, die kleinst mögliche Menge der sklavisch kopierten Merkmale vom jeweiligen Vorbild zu übernehmen. Und dieses Minimum an Orientierungspunkten, wie die Meilensteine in der Geodäsie, beginnt bei etwa 12 Koordinaten-Paaren.

 

Es gibt einerseits sehr rundliche, kurvige Korpusformen, andererseits auch attraktive, zackige, linienförmige Designs. Bei den letzteren sind die Meilensteine einfacher zu positionieren. Die rundliche Formen brauchen nach Bedarf weitere Positions-Punkte dazwischen, es sei denn, man gönnt sich die Freiheit und ergänzt den Kurvenverlauf nach eigenem Geschmack.

Wenn es um die Bemaßung geht und nur die Außenmaße wichtig sind, addiert man die Lot-Strecken von jeweiligen gegenüber liegenden Meilensteinen zur dazwischen liegenden Mittel- oder Mensurlinie (natürlich nur ihre Plus-Werte). Sonst nimmt man die XY-Koordinaten der Meilenstene einzeln. Man sieht, dass die Nulpunktposition am Korpus sehr unterschiedlich weit von der optischen Mitte liegen kann. Das kann mit Absicht, die Kopflästigkeit zu vermeiden, zusammenhängen oder aber es ist manchmal nur der Zufall.