Anleitung - Mensur 629

Anleitung zum Erstellen der START-Schablone (SG-Typ) mit 22 Bünden / Mensur 629 mm

Es wird, wie vorher, auch auf eine "high density fibreboard", Hartfaserplatte oder HDF "technisch" gezeichnet. Die gibt es im Baumarkt für knapp zwei Euro.

Als Material hat sich ein Zuschnitt aus 3 mm dicker HDF-Platte, einseitig mit weißer Plastikfolie kaschiert, sehr gut bewährt. Für diese E-Gitarre-Zeichnung genau 77 cm lang x 24 cm breit.

Zum Zeichnen eignet sich z.B. STABILO "S - Write-4-all Permanent" Stift, oder STAEDTLER Lumocolor - permanent S 0,4 mm (4 Farben), oder EDDING permanent S 0,4 mm usw. Beim Fehler hilft kein Radiergummi, aber mit einem Tempotaschentuch, und Spiritus lässt sich das restlos abwischen.

Die Mittel-, Mensur- und Sattellinien reiße ich immer zuerst leicht mit einem Anreißmesser an, und dann noch mit einem blauen Permanent-Stift darüber.  

Soviel zur "HDF-ware".

Als "Software" braucht man außer gewisser Ahnung, wie G & B funktioniert, noch einige Parameter (Maße), die für die gewünschte Gitarre oder Bass typisch sind.

Messpunkte und Abstände in mm:

Messpunkt (Stützpunkt): A B C D
A 0 628,65 166 314,3
B 628,65 0 463 314,3
C 166 463 0 148,3
D 314,3 314,3 148,3 0
Abstand zur Mittellinie -- -- -- --
Saite E6 26 17,8 23,5 21,6
Saite E1 26 17,8 23,5 21,6
Griffbrettkante -- 21,5 28,3 26,2
Korpus-Ende am Hals 253,5 375,5 87,8 60,5
Korpus-Ende am Endpin 180 809 346 494,3

Das bedeutet z.B., dass das Griffbrett am Sattel (2 x  21,5 ) = 43 mm, am Ende (2 x 28,3) = 56,6 mm und am 12. Bundstäbchen (2 x 26,2) = 52,4 mm breit ist. Die Entfernung von A nach B ist die Mensurlänge 628,65 mm ("amtliches" Nennmaß), die im Punkt D halbiert ist (Kompensation nicht berücksichtigt). Die Griffbrettkante nach dem 22.Bundstäbchen liegt 166 mm von Steg(mensur)linie entfernt.

Das wichtigste Maß ist die Mensur, auch Mensurlänge, Scale, Scale length, genannt. Die Bundstäbepositionen stehen in Tabellen (Koch, M. "E-Gitarrenbau" S.67) und weiter unten, ergänzt um ihre Position bezogen auf den Navigator-Nullpunkt.

Es folgen Saitenabstände am Steg und am Sattel, genauer gesagt, der Abstand dort, zwischen der Mitten der dünnsten und der dicksten Saite.  Weiter braucht man die Griffbrettlänge und -breite, Halslänge und -profil. Die Kopfplatte interessiert uns zuerst noch nicht.

Vom Korpus kommen nur die Lage des Nullpunktes, PUs und des Korpus-Hals Übergangs (Halstasche) auf die Startschablone angezeichnet. Wenn jemand vielleicht mehr Details zusätzlich einzeichnen möchte, kann es tun. Nur sollte man nicht vergessen, was ein Klang-Kern des Instruments ist, und was zur seiner Schale, Fasade oder Ausstattung zählt. Die START-Schablone soll als eine überschaubare Starthilfe oder "Sprungbrett" die schnelle Orientierung unterstützen.

So, die weiße Platte 770 x 240 mm liegt vor uns und es geht los:

Hilfs-Linien-Kreuz

Parallel zur Unterkante, mit 90 mm Abstand reißt Du leicht und gleichmäßig eine Linie an (=Mittellinie). Dann ziehst mit einem blauen S-Permanent-Stift schön mittig noch mal eine Linie darüber.

Von der linken Kante 85 mm rechts, parallel eine Senkrechte Linie anreißen und blau nachziehen   (=Mensurlinie).

Der Schnitpunkt wird ab jetzt  NULLPUNKT genannt und weitere Positionen in Koordinaten werden auf ihn bezogen.

Weit rechts, von dem Nullpunkt genau 628,65 mm, eine Senkrechte zur Mittellinie ziehen, von der Oberkannte bis 30 mm unterhalb der Mittellinie (= Sattellinie, auch Nullbund-Linie)

Für CAD-Zeichner (die keine Hardplatten-Zeichnug machen wollen):
Linie -85/150 > 685/150 dann Linie -85/-90 > 685/-90 und zum Rechteck mit Fang zusammenfügen. Dann
Linie -85/ 0 > 685/ 0 (Mittellinie)und 0 /150 > 0 /-90 (= Mensurlinie) und 628,65/150 > 628,65/-30 (= Sattellinie

... und Saiten-Trapez drauf

Eine Linie zwischen 0/26 > 628,65/17,8 ziehen  (= dicke E-Saite)
Eine Linie zwischen 0/-26 > 628,65/-17,8 ziehen (dünne e-Saite)

... und Griffbrettkonturen drauf

Eine Linie zwischen 166/28,3 > 628,65/ 21,5 ziehen
Eine Linie zwischen 166/-28,3 > 628,65/ -21,5 ziehen
Eine Linie zwischen 166/28,3 > 166/-28,3 ziehen

... wo kommen die Bundstäbchen hin ?

Die Einsäge-Positionen für die Bundstäbchen auf der START-Schablone dienen nur der Übersicht. Für das perfekte Einsägen ins Griffbrett braucht man eine Hilfsvorrichtung.

Ziehe 22 Linien zwischen Griffbrettkanten, senkrecht zur Mittellinie. Ihre jeweilige X-Koordinate vom Nullpunkt entnehme der Tabelle:

Bundabstände bezogen auf:

den NULLPUNKT Bund Nr. den Sattel
593,37 1 35,28
560,06 2 68,59
528,63 3 100,02
498,96 4 129,69
470,95 5 157,7
444,52 6 184,13
419,57 7 209,08
396,02 8 232,63
373,8 9 254,85
352,82 10 275,83
333,01 11 295,64
314,32 12 314,33
296,68 13 331,97
280,03 14 348,62
264,31 15 364,34
249,48 16 379,17
235,48 17 393,17
222,26 18 406,39
209,78 29 418,87
198,01 20 430,64
186,9 21 441,75
176,41 22 452,24

... wohin mit den Pickups?

Die Platzierung der Tonabnehmer ist nur mit dem Abstand ihrer (senkrechten) Symmetrieachse vom Nullpunkt genau angegeben. Wie die Fräsungen am Korpus aussehen sollen, muss nicht unbedingt die START-Schablone zeigen, dafür erstellt man sich besser später eine Frässchablone.

Abstände vom Nullpunkt (X-Koordinate):

<>  Halspickup:  128 mm

<>  Stegpickup:    36 mm

... und das Längsprofil darüber

 

Bisher haben wir die Gitarre von vorne betrachtet. Jetzt nehmen wir sie von der (unteren) Zargenseite ins Visier. Dazu brauchen wir folgende Parameter:

<> Halsdicke am 1. und 12. (oder 14.) Bund  - für diesen Fall z.B. 21,6 mm und 25,2 mm (einschließlich Griffbrettradius),
<> Tenon Breite   - für diesen Fall z.B 35 mm,

<> Tenon Höhe   - für diesen Fall z.B. 26 mm
<> Tenon Länge  - für diesen Fall z.B  104,3 mm,

Hier nur die Koordinaten der wichtigsten Linien, der Rest bleibt als Übung Euch überlassen:

::  Linie  166/123,7     > 628,7/106,2    ( = Griffbrettoberfläche ohne Bundstäbchen),
::  Linie  281,7/93,5    > 627,2/84,8      (= Halsboden),
::  Linie  149,5/94,3    > 253,7/89,6      (= Tenon unten),
::  Linie  150,5/117     > 149,5/94,3      (= Tenon-Ende),
::  Linie  632,6/100,6  > 677,2/87         (= Kopfplatte, obere Fläche),
::  Linie  640/81,5        > 677/70,2         (=Kopfplatte, Bodenfläche),
::  Linie  -54,8/117       > 222/117          (= Korpusdecke),
::  Linie  -42,2/81,4       > 253,7/81,3    (= Korpusboden),
::  Linie  253,7/115,9    > 253,7/81,3     (=Halstasche-Kante),
::  Linie  0/135,8            > 628,7/107,7   (= Verlauf der Saiten).

... es wird noch gebohrt !

Die START-Schablone mit durchgebohrten Stützpunkten erleichtert die Zwischenkontrolle bei der Erstellung der Detailschablonen (Frässchablonen).

Diese Stützpunkte sollten (äußerst präzise) mit 1,5 mm Ø Bohrer durchgebohrt werden:

Stützpunkt  >A< als "NULLPUNKT"    Koordinaten: 0 / 0

Stützpunkt  >B< markiert die Lage des Sattels  X-Koordinate: 628,65

Stützpunkt  >C< Griffbrett-Ende  Koordinaten: 166 / 0

Stützpunkt  >D< ½ Mensurlänge = Oktave-Bundstäbchen  Koordinaten: 314,3 / 0

Auch für andere Positionen könnten (auch später, nach Bedarf) weitere Bohrungen gemacht werden, aber bitte nicht übertreiben!

 

Hals-Querprofile

Bei der Bearbeitung des Halsrohlings wird der Fortschritt mit einer (selbstgemachten) Profillehre kontrolliert. Es reichen drei Profile, am 1.Bund, am 7. und 12. (oder 14.) Bund.

Diese Profile kannst Du später auch auf die START-Schablone von der Profillehre kopieren, quasi als Backup. Eine Anleitung, wie man Profile erfasst und eine Profil-Lehre (Schablone) kommt bald.