Anleitung zum Erstellen der START-SCHABLONE 5-Saiter-Bass-Typ mit 24 Bünden
Da in der heutigen Musik oftmals sehr tiefe Basstöne gefragt sind, hat man bei einem 4-saitigen Bass eine tiefe H Saite hinzugefügt. So einfach war es jedoch auch nicht. Der Hals muss entsprechend breiter und und fest genug konstruiert werden, um die höhere Saitenspannung auszuhalten und die Saitenabstände optimal zu verteilen. Für die Griffbrett-Geometrie kommt jetzt etwas ungewöhnliches dazu:
Die Mittellinie und die A-Saite verlaufen deckend. Auch der Steg ist breiter und die Saitenabstände hier muss man sich überlegen. Was die Mensulänge betrifft, bleiben wir bei der 34". Und jetzt an die Arbeit:
Es muss nicht immer nur Papier sein. Jetzt wird auf eine "high density fibreboard", Hartfaserplatte oder HDF "technisch" gezeichnet. Die gibt es im Baumarkt für knapp zwei Euro, auf das gewünschte Maß zugeschnitten.
Als Material hat sich ein Zuschnitt aus 3 mm dicker HDF-Platte, einseitig mit weißer Plastikfolie kaschiert, sehr gut bewährt. Für eine Bass-Gitarre-Zeichnung 98 cm lang x 24 cm breit.
Zum Zeichnen eignet sich z.B. STABILO "S - Write-4-all Permanent" Stift, oder STAEDTLER Lumocolor - permanent S 0,4 mm (4 Farben), oder EDDING permanent S 0,4 mm usw. Beim Fehler hilft kein Radiergummi, aber mit einem Tempotaschentuch, und Spiritus lässt sich das restlos abwischen.
Die Mittel-, Mensur- und Sattellinien reiße ich immer zuerst leicht mit einem Anreißmesser an, und dann noch mit einem blauen Permanent-Stift darüber.
Soviel zur "HDF -ware".
Als "Software" braucht man außer gewisser Ahnung, wie E-Gitarre / E-Bass funktioniert, noch einige Parameter (Maße), die für das gewünschte Instrument typisch sind.
Messpunkte und Abstände in mm:
| Messpunkt (Stützpunkt): | A | B | C | D |
| A | 0 | 863,6 | 192,2 | 431,8 |
| B | 863,6 | 0 | 671,5 | 431,8 |
| C (Griffbrett-Ende) | 192,2 | 671,5 | 0 | 239,7 |
| D | 431,8 | 431,8 | 239,7 | 0 |
| Korpusende (an d. Mitellinie) | 266 | 597,6 | 73,8 | 165,8 |
| Abstand zur Mittellinie: | ||||
| Saite H5 | 35 | 18,2 | x | x |
| Saite G1 | 35 | 18,2 | x | x |
| Griffbrettkanten | --- | 22,4 | 36,9 | 31,75 |
Das wichtigste Maß ist die Mensur, auch Mensurlänge, Scale, Scale length, genannt. Die Bundstäbepositionen stehen in Tabellen (z.B. Koch, M. "E-Gitarrenbau" S.67) und hier weiter unten, ergänzt um ihre Position, bezogen auf den Navigator-Nullpunkt.
Es folgen Saitenabstände am Steg und am Sattel, genauer gesagt, der Abstand dort, zwischen der Mitten der dünnsten und der dicksten Saite. Weiter braucht man die Griffbrettlänge und -breite, Halslänge und -profil. Die Kopfplatte interessiert uns zuerst noch nicht.
Vom Korpus kommen nur die Lage des Nullpunktes, PUs und des Korpus-Hals Übergangs (Halstasche) auf die Startschablone angezeichnet. Wenn jemand vielleicht mehr Details zusätzlich einzeichnen möchte, kann es tun. Nur sollte man nicht vergessen, was ein Klang-Kern des Instruments ist, und was zur seiner Schale, Fasade oder Ausstattung zählt. Die START-Schablone soll als eine überschaubare Starthilfe oder "Sprungbrett" die schnelle Orientierung unterstützen.
So, die weiße Platte 980 x 240 mm liegt vor uns und es geht los:
Hilfs-Linien-Kreuz
Parallel zur Unterkante, mit 100 mm Abstand reißt Du (mit einem Anreißmesser) leicht und gleichmäßig eine Linie an (=Mittellinie). Dann ziehst mit einem blauen S-Permanent-Stift schön mittig noch mal eine Linie darüber.
Von der linken Kante 60 mm rechts, parallel eine Senkrechte Linie anreißen und blau nachziehen (=Mensurlinie).
Der Schnittpunkt wird ab jetzt NULLPUNKT genannt und weitere Positionen in Koordinaten werden auf ihn bezogen.
Weit rechts, von dem Nullpunkt genau 863,6 mm, eine Senkrechte zur Mittellinie ziehen, von der Oberkante bis 40 mm unterhalb der Mittellinie. (= Sattellinie, auch Nullbund-Linie)
Für CAD-Zeichner (die keine Hardplatten-Zeichnug machen wollen):
Linie -60/140 > 920/140 dann Linie -60/-100 > 920/-100 und zum Rechteck mit Fang zusammenfügen. Dann:
Linie -60/ 0 > 920/ 0 (Mittellinie) und 0 /140 > 0 /-100 (= Mensurlinie) und 863,6/140 > 863,6/-40 (= Sattellinie)
... und Saiten-Trapez drauf
Eine Linie zwischen -5,0/35,0 > 863,6/18,2 ziehen (= dicke H-Saite)
Eine Linie zwischen -2,2/-35,0 > 863,6/-18,2 ziehen (dünne G-Saite)
... und Griffbrettkonturen drauf
Eine Linie zwischen 192,2/37,0 > 863,6/ 22,4 ziehen
Eine Linie zwischen 192,2/-37,0 > 863,6/ -22,4 ziehen
Eine Linie zwischen 192,2/37,0 > 192,2/-37,0 ziehen
... wo kommen die Bundstäbchen hin ?
Die Einsäge-Positionen für die Bundstäbchen auf der START-Schablone dienen nur der Übersicht. Für das perfekte Einsägen ins Griffbrett braucht man eine Hilfsvorrichtung.
Ziehe 26 Linien zwischen Griffbrettkanten, senkrecht zur Mittellinie Ihre jeweilige X-Koordinate vom Nullpunkt entnehme der Tabelle:
Bundabstände, bezogen auf:
| den NULLPUNKT | Bund Nr. | den Sattel |
| 815,13 | 1 | 48,47 |
| 769,38 | 2 | 94,22 |
| 726,20 | 3 | 137,40 |
| 685,44 | 4 | 178,16 |
| 646,97 | 5 | 216,63 |
| 610,66 | 6 | 252,94 |
| 576,38 | 7 | 287,22 |
| 544,02 | 8 | 319,58 |
| 513,50 | 9 | 350,10 |
| 484,68 | 10 | 378,92 |
| 457,47 | 11 | 406,13 |
| 431,80 | 12 | 431,80 |
| 407,56 | 13 | 456,04 |
| 384,69 | 14 | 478,91 |
| 363,10 | 15 | 500,50 |
| 342,72 | 16 | 520,88 |
| 323,48 | 17 | 540,12 |
| 305,33 | 18 | 558,27 |
| 288,19 | 29 | 575,41 |
| 272,01 | 20 | 591,59 |
| 256,75 | 21 | 606,85 |
| 242,34 | 22 | 621,26 |
| 228,74 | 23 | 634,86 |
| 215,90 | 24 | 647,70 |
| 203,78 | 25 | 659,82 |
... wohin mit den Pickups ?
Die Platzierung der Tonabnehmer ist nur mit dem Abstand ihrer (senkrechten) Symmetrieachse vom Nullpunkt genau angegeben. Wie die Fräsungen am Korpus aussehen sollen, muss nicht unbedingt die START-Schablone zeigen, dafür erstellt man sich besser später eine Frässchablone.
Abstände vom Nullpunkt (X-Koordinate):
<> Halspickup: 116 mm
<> Stegpickup: 45 mm
... und das Längsprofil darüber:
Bisher haben wir den Bass von vorne betrachtet. Jetzt nehmen wir es von der (unteren) Zargenseite ins Visier. Dazu brauchen wir folgende Parameter:
<> Halsdicke am 1. und 12.Bund - für diesen Fall z.B. 20,3 mm und 24,7 mm (einschließlich Griffbrettradius),
<> Halsfuß dicke - für diesen Fall z.B. 31,7 mm,
<> Korpusdicke - für diesen Fall z.B. 42,5 mm,
<> Halstaschelänge - für diesen Fall z.B. 134 mm
<> Halstaschetiefe - für diesen Fall z.B. 21,0 mm
:: Linie 192,2/113,2 > 863,6/113,2 ( = Griffbrettoberfläche ohne Bundstäbchen),
:: Linie 192,2/108,2 > 863,6/108,2 (= Griffbrett-Leimfuge)
:: Linie 340,2/87,8 > 860,0/92,9 (= Halsboden),
:: Linie 165,8/81,5 > 325,2/81,5 (= Halsfußboden),
:: Linie 165,8/102,5 > 165,8/81,5 (= Halsende),
:: Linie 192,2/113,2 > 192,2/102,5 (= Griffbrettende),
:: Linie 870,0/108,2 > 907,0/102,7 (= Kopfplatte, obere Fläche),
:: Linie 877,9/90,8 > 910,0/86,6 (=Kopfplatte, Bodenfläche),
:: Linie -45/102,5 > 192,2/102,5 (= Korpusdecke),
:: Linie -45/60,0 > 300,0/60,0 (= Korpusboden),
:: Linie 0/119,5 > 863,6/115,2 (= Verlauf der A-Saite).
... es wird noch gebohrt:
Eine START-Schablone mit durchgebohrten Stützpunkten erleichtert die Zwischenkontrolle bei der Erstellung der Detailschablonen (Frässchablonen).
Diese Stützpunkte sollten (äußerst präzise) mit 1,5 mm Ø Bohrer durchgebohrt werden:
Stützpunkt >A< als "NULLPUNKT" Koordinaten: 0 / 0
Stützpunkt >B< markiert die Lage des Sattels Koordinaten: 863,6 / 0
Stützpunkt >C< Anfang des Griffbrettes Koordinaten: 192,2 / 0
kein Stützpunkt Anfang der Halstasche Koordinaten: 165,8/ 0 (15° schräg)
Stützpunkt >D< halbe Mensurlänge = Oktave-Bundstäbchen Koordinaten: 431,8 / 0
Auch für andere Positionen könnten (auch später, nach Bedarf) weitere Bohrungen gemacht werden, aber bitte nicht übertreiben!
Hals-Querprofile
Bei der Bearbeitung des Halsrohlings wird der Fortschritt mit einer (selbstgemachten) Profillehre kontrolliert. Es reichen drei Profile, am 1.Bund, am 7. und 12.Bund.
Diese Profile kannst Du später auch auf die START-Schablone von der Profillehre kopieren, quasi als Backup.





